“Zeitgeist ?”

Meiner Meinung nach wird es für Christen immer wichtiger sich mit dem heutigen Zeitgeist zu beschäftigen.

Manche glauben, dass wir ein neues Zeitalter erreicht haben, wo viele den Drang zu mehr Religiösität verspüren; jedoch in anderen, als die bisher bekannten Formen - Stichwort: “Postmoderne“.
Andere meinen, dass sich seit der “Aufklärung” und neuerdings seit der “Neuen Atheisten“-Bewegung sich die Mehrzahl der Menschen von der Religion immer mehr abwenden.

Angesichts dieser unterschiedlichen Meinungen und Philosophien sollte man sich als “vernünftiges Wesen” fragen wie es tatsächlich mit den eigenen Überzeugungen steht. Faustformel: “Hinterfragen ist immer gut!”.

Für Christen und Gläubige stellt sich natürlich auch die Frage was unsere Kinder wirklich glauben und auch wie wir ungläubige Menschen heute eigentlich erreichen können…

Um nicht zu weit auszuschweifen, möchte ich einen von “Ron” verfassten Artikel wiedergeben, den ich im Theoblog kürzlich las. Obwohl ich nicht in allen Punkten einer Meinung mit Ron bin, möchte ich trotzdem alles wiedergeben, damit sich jeder Leser eine eigene Meinung bilden kann.

Immer häufiger entdecke ich im Raum der Kirche folgendes Argumentationsmuster: Weil die Menschen vernünftigen Überlegungen nicht mehr zugänglich sind, müssen wir mehr in die Beziehungsarbeit investieren. Weil Jugendliche heute die Sprache und Konzepte der Bibel nicht mehr verstehen, müssen wir Übertragungen schaffen, die sich dem Verstehenshorizont postmoderner Subkulturen fügen. Weil das traditionelle Familienbild nicht mehr konsensfähig ist, müssen wir andere Formen des Zusammenlebens aufwerten. Weil der biblische Sündenbegriff und das damit verbundene Sühneverständnis unpopulär geworden sind, reden wir in unseren evangelistischen Bemühungen nicht mehr über Gottes Heiligkeit und Zorn, sondern über unsere Bedürfnisse nach mehr Spiritualität.

Das alles ist ja nicht völlig falsch. Natürlich sollen wir, um eine Formulierung von John Stott aufzugreifen, »doppelt Hören«, also achtsam wahrnehmen, was Gott sagt und was die Menschen bewegt. Aber was, wenn aus dem zeitgemäßen Christsein eine zeithörige Frömmigkeit wird? Was, wenn die evangelikale Glaubenskultur den Geist der Welt mehr fürchtet als Gott (vgl. 1Kor 2 u. Röm 12,2)?

Ich vermute, dass sich die Entwicklungen in Gesellschaft und vor allem in den Kirchen auch anders herum interpretieren lassen: Weil wir das christlichen Familienbild nicht mehr leben und begründen, öffnen sich immer mehr Menschen für alternative Lebensmodelle. Weil wir nur noch über den Wie-Glauben (fides qua creditur) diskutieren, schwindet das Verständnis für die Inhalte des Glaubens (fides quae creditur), was die Gläubigen in den Gemeinden tief verunsichert und natürlich Wankelmütigkeit fördert. Weil die präventive Seelsorge durch Predigt, Katechese und Gebet immer häufiger einer unterhaltsamem Theologie weichen muss, steigt der Bedarf an spezialisierter Seelsorge und Psychotherapie immens. Weil wir der Heiligkeit Gottes kaum noch liturgischen Raum geben, ist uns das Bewusstsein für unsere Sündhaftigkeit und die teure Gnade, von der wir alle leben, verloren gegangen.

Kurz: Selbstverständlich ändert sich Gemeinde und muss sich auch ändern. Wir sollten uns jedoch mehr Zeit für die Ursachenbekämpfung nehmen. Blicken wir auf Christus. Dieser Blick befreit von den lähmenden Verstrickungen mit dem Weltgeist. Und dieser Blick setzt im Leib Christi die Kraft frei, das prophetische Amt der Kulturkritik wahrzunehmen. Wenn wir diesen Blick nicht üben, wird wohl das ernüchternde Wort Kurt Tucholsky’s über die Kirchen seine Gültigkeit behalten: »Atemlos jappend laufen sie hinter der Zeit her, auf dass ihnen niemand entwische«.

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